Mühlsteinmuseum Steinbrecherhaus, 4320 Perg, Mühlsteinstraße 43. Geöffnet von Mai bis Oktober jeden ersten Samstag von 14 bis 17 Uhr und nach Voranmeldung. Telefon: Harald Marschner: 0664 18 03 253; E-Mail: h.a.marschner@gmail.com, Offenlegung und Datenschutz
Der Heilige Florian und der Mühlstein

Harald Marschner

Das Mahlen von Getreide mit Reibsteinen und Mühlsteinen ist eine der ältesten, lebensnotwendigen  Kulturtechniken, die mit Sesshaftwerdung der Menschen in größeren Einheiten in einem unmittelbaren Zusammenhang steht.

Googelt man den Begriff Mühlstein im Internet, findet man eine Fülle von Informationen zum Mahlen von Getreide. Man bemerkt aber auch bald, dass den Mühlstein etwas Unheimliches und Bedrohliches umgibt. Unheimlich vielleicht deshalb, weil mit 2 großen, mächtigen und schweren Steinen winzige Getreidekörner zu Mehl zermahlen werden. Das Bedrohliche hat auch damit zu tun, dass unsere Kirche potentielle Sünder mit Mühlsteinen bedroht! Heißt es doch bei Matthäus:

Wer aber einem von  diesen Kleinen, die an mich glauben, Ärgernis gibt, dem wäre es besser, wenn ihm  ein Mühlstein an seinen Hals gehängt und er in den Tiefen des Meeres versenkt wird!


Und dass Gott für uns Sünder ein langes Gedächtnis hat und alles aufgezeichnet wird, wissen wir durch das bekannte Sprichwort, es heißt mahnend: Gottes Mühlen  mahlen langsam, aber sicher!
Und nicht nur die Kirche droht mit Mühlsteinen, auch das unheilige Rom hat an einem aufrechten Christen, unserem heiligen Florian, ein Exempel statuiert! Er wurde mit einem Mühlstein um den Hals am 4. Mai 304 in der Enns ertränkt. So erzählt uns eine barocke Marmortafel unter einem eingemauerten Mühlstein in der Krypta der Stiftskirche St.Florian:

Gegenwärtiger Mühlstein, welcher Anno 1722 bei Abbrechung des über 500 Jahre lange gestandenen alten Stiftsgebäu im Kreuzgang tief unter der Erden unverhofft freiliegend gefunden, beglaubt uns ganz wahrscheinlich derjenige zu sein, womit der heilige Märtyrer Florianus in den Fluss Enns versenket worden.

An einen Mühlstein gebunden, lässt den Beschuldigten seinem Schicksal nicht mehr entrinnen. So ist das Martyrium Florians auch heute noch Metapher in öffentlichen Diskussion. Mancher, der in höherer Verantwortung steht, mutiert zum Mühlstein, zur unerträglichen Belastung für Regierungen, Parteien oder Gesellschaften, wenn dieser Aufgaben schlecht oder anders als vereinbart auszuführen sucht.

In der "Passio Floriani“ heißt es:


Brückensturz des hl. Florian,
Deckenfresko im Stift St. Florian,
(Bild: ManKraFlo, CC-BY-SA) 
Florian von Lorch war ein pensionierter Kanzleivorstand und lebte in Aelium Cetium (Sankt Pölten). In der Zeit der Christenverfolgung (303–304) unter Kaiser Diokletian kam Statthalter Aquilinus nach Lauriacum, das heutige Lorch in Enns, um Christen auszuforschen. 40 Christen wurden ergriffen und nach vielen Martern eingesperrt.
Florian erfuhr davon und eilte nach Lauriacum, um ihnen beizustehen. In Lauriacum wurde er aber aufgegriffen und verhaftet und vor den Statthalter Aquilinus geführt. Da er sich weigerte, dem christlichen Glauben abzuschwören, wurde er mit Knüppeln geschlagen und seine Schulterblätter wurden mit geschärften Eisen gebrochen. Schließlich wurde er zum Tode verurteilt. Er sollte bei lebendigem Leibe verbrannt werden. Am Marterpfahl sagte er, wenn sie ihn verbrennen würden, würde er auf den Flammen zum Himmel empor steigen. Die Soldaten scheuten sich nun, ihn zu verbrennen und er wurde am 4. Mai 304 mit einem Stein um den Hals, später ist daraus ein Mühlstein geworden, von einer Brücke in die Enns gestürzt.

Zurück zu Florians Grab: der in St.Florian gezeigte Mühlstein ist ein kalzitischer Sandstein, wie er nur in Perg oder Wallsee vorkommt. Dieser Umstand hat schon vor 30 Jahren meinen Vater nicht ruhen lassen, nachzuweisen, dass die ehrsamen Perger Steinbrecher keine Beihilfe zum ruchlosen Mord an einem aufrechten Christen geleistet haben! Die Beweisführung ist klar und hat die geschätzten Chorherren eines frommen Schwindels überführt.



Der im Jahr 1722 unverhofft
freigelegte Mühlstein
Der Mühlstein ist ungebraucht, er zeigt darüber hinaus keinerlei Merkmale einer Verwendung. Auf Grund des Durchmessers ergibt sich ein Gewicht von ca. 300 kg, daher erscheint es unwahrscheinlich, dass das Hinrichtungskommando mit einem derart schweren Stein hantiert hätte. Vor allem aber findet man in unseren Römer-Museen, wie im Ennser Museum Lauriacum, keinen Mühlstein, der aus kalzitischen Sandstein wäre. Offensichtlich kannte man in der Römerzeit weder die Perger noch die Wallseer Sandsteinvorkommen.

Zu dieser Zeit war die Wassermühle zwar schon bekannt, in Großbäckereien wurde aber mit den sogenannten Kraftmühlen, die von Eseln oder Sklaven angetrieben wurden, gemahlen. In Haushalten und vor allem beim Militär wurden Handmühlen verwendet. Zum anderen wurden Mühlsteine damals meist aus Basaltlava gewonnen und hatten auch andere Formen.

Das Facit kann somit nur lauten: ... dem Florian-Mühlstein ist somit eher die Bedeutung eines Symbols in Bezug auf die Verehrung des heiligen Florian zuzuschreiben.